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Crufts 2005

Die größte Hundeausstellung der Welt

Crufts, dieses seltsame Wort steht für die angesehenste und größte Hundeausstellung der Welt, die einmal im Jahr in Englands Herzen Birmingham stattfindet. In nur vier Tagen werden 20.000 Rassehunde vorgeführt, die mehr als 120.000 Hundefreunde und Hundebegeisterte aus allen Ländern in das Birmingham National Exhibition Centre (NEC) locken, so auch mich.
Doch bis ich in den Messehallen von den Menschenmassen halbtot gequetscht werden konnte, musste einiges geplant werden. Ganz vorn stand die Frage: "Wie komme ich schnell und günstig nach England und wo kann ich die Nacht verbringen?"
Für den Transfer nach Birmingham gab es vier denkbare Möglichkeiten:
1) Fahrt nach Lübeck, Flug nach London Stansted (Ryan Air), anschließende vierstündige Bahnfahrt nach Birmingham und alles wieder Retour.
2) Fahrt nach Köln-Bonn, Flug nach Birmingham/Coventry (Hapag Lloyd Express), Busfahrt nach Coventry, Bahnfahrt zum NEC und wieder zurück.
3) Fahrt mit dem PKW über Fähre oder Tunnel Dover-Calais nach Birminham und zurück.
4) Flug Hannover-Birminham (Lufthansa) und zurück.

Beide Flugmöglichkeiten (inklusive Bahnfahrt) lagen preislich sehr nah beieinander (ca. 100 Euro), die Fährfahrt Dover-Calais lag so bei ca 200 Euro, hinzu kämen dann die Sprit- und Parkkosten, ganz zu schweigen von den seltsamen Linksfahrgewohnheiten der Engländer, die zum Problem werden könnten. Die Lufthansa war keine wirkliche Alternative, da die Flüge bereits im Bereich von 400-600 Euro lagen.
Auf Anraten von Ute entschied ich mich für die Köln-Bonn-Variante und somit auch für hlx. Auch musste ich feststellen, dass die Hotel- und Pensionspreise in Birminham für mich eigentlich unbezahlbar waren, 100 Euro für ne Nacht ist einfach ungeheuer viel. Ich schaute also nach einer Alternative und überlegte mir dann, dass ich ja auch in Coventry direkt ein Zimmer suchen könnte. Ich lande dort in der Nähe, ich fliege von dort, wieso sollte ich nicht auch dort schlafen, zumal es bis nach Birmingham gerade mal ca 20 km waren. Gesagt getan, ich fand ein schnuckeliges kleines und mit abstand günstigstes Zimmerchen direkt am Coventry Hbf. Dort ging auch alle 15 Minuten eine S-Bahn direkt zum NEC, so dass ich wirklich ratz-fatz da war...
Einziger Wehrmutstropfen der gesamten Angelegenheit war die Abflugzeit in Köln-Bonn. Um 6:50h ging der Flieger, Einchecken war so gegen halb 6...

Ich fuhr also am Freitag den 11.03.2005 gegen Mitternacht hier in Arpke los, war am Samstag um 4:30h am Köln-Bonner Flughafen und hatte somit eine sehr beschwerliche und vor allem schlaflose Nacht vor mir. Zum Glück ging das Einchecken recht reibungslos und ich gönnte mir noch einen sehr leckeren Cappuccino bevor ich dann so gegen 7h die Wolkendecke durchbrach und mir die Sonne zulachte. An Bord wurde natürlich auch Saft geschubst und ich kaufte mir zum Frühstück ein Zwiebelbaguette mit Käse, dazu eine Cola zum Wachwerden (diesen Service musste man bei einem Flugpreis von 25 Euro erwartungsgemäß extra bezahlen) und studierte sicherheitshalber mal die Notausgänge - bei Billigflieger weiß man ja nie... Wider Erwarten ging alles prima, die Ledersitze im Flugzeug gaben einen festen Seitenhalt und auch der Gurt schien zu halten. Der Vogel, eine Fokker 100, flog leise und sportlich durch den Himmel und plötzlich konnte man auch die seltsame Insel mit ihren seitenverkehrten Einwohnern am Boden erblicken. Landung geglückt! Auf dem Flugfeld waren Fußgängerwege eingezeichnet und wir wurden von vielen gelben Männchen begrüßt, die alle nett winkten und an denen wir dann vorbeimarschiert sind, um anschließend in einer Blechhütte unser Gepäck in Empfang nehmen zu können. Seltsamerweise war auch noch alles heile, somit war diese Sorge auch unbegründet gewesen.

England wäre nicht England, wenn dort nicht alles nach Vorschrift laufen würde... Vermutlich landet am Flughafen Coventry nur ein Flieger die Stunde (wenn überhaupt) und es gab auch nur einen einzigen Bus, der nach Coventry Zentrum fuhr und der fuhr - wir erahnen es alle - einmal pro Stunde. Wir standen um 7:33h vor der Halle, warteten auf den Bus und hatten - wie sollte es anders sein - genau 57 Minuten zu warten, denn der Bus fuhr immer um Halb UND (was viel schlimmer war) er fuhr pünktlich.
Ab und zu kam auch mal ein Taxi vorbeigefahren, auf das sich dann gleich größere Grüppchen von Personen stürzten... es schien, als wollten 100 der ca 70 Personen zur Crufts. Den Taxifahrern schien es demnach lukrativer, eine Fahrt nach Birmingham NEC bezahlt zu bekommen, als mich die 5 km ins Zentrum zu meiner Unterkunft zu fahren, somit musste ich eben warten, denn Verstärkung rufen wollte von denen auch keiner.

Nun kam irgendwann der Bus und witzigerweise konnte kaum jemand von uns die Fahrt bezahlen. Tja, Kunststück, wenn man als Busfahrer kein Wechselgeld dabei hat und Touristen aus anderen Ländern chauffieren soll, die haben meist nur Scheine getauscht - was anderes geht auch nicht - und somit war die Fahrt für mich kostenlos.
Umsonst war auch das Taxi, welches ich dann vom Coventry Hbf nahm, um zu meiner Unterkunft zu gelangen, denn für 3 Euro fuhr es mich nur zur Rückseite des Bahnhofs, wo mein Zimmer bereits schon sehnsüchtig auf mich wartete... Das hätte ich wohl auch laufen können!

Schlüssel bekommen, Klamotten sortiert, deponiert und kontrolliert und anschließend direkt wieder zurück zum Bahnhof gelaufen. Um 9h mit der S-Bahn zur Crufts gefahren und dort die Orientierung verloren...
Bin den gesamten Morgen in den Hallen rumgerannt und gegen Mittag konnte ich nicht mehr, die Füße taten weh, der Rücken tat weh und Kopfschmerzen hatte ich auch noch...
Gegen 12:30h kam ich am Ehrenring vorbei und hab mich da erstmal auf die Tribüne gesetzt. Um 14h ging es mit Obedience weiter und ich hatte wirklich einen tollen Platz ergattert, saß mehr oder weniger mittig, die Hunde kamen von links vorne aus der Ecke. Neben mir saß ne ältere Dame, mit der ich mich wirklich sehr nett unterhalten konnte. Sie kam aus Leeds und war mit ihrer Freundin angereist, um Obedience zu sehen. Sie hat mich erstmal aufgeklärt hat, welche Regeln es gibt, warum welcher Hund überhaupt Strafpunkte bekommen hat usw. Es war richtig nett. Irgendwann hat sie dann ne Tee-Runde gestartet und mich und ihre Freundin mit Keksen und Tee versorgt, hat mir Bilder von ihren Hunden (Mischlinge) gezeigt und ich hab die ganze Zeit fleißig fotografiert.
Zwei Tage vorher hatte ich mich dazu entschlossen, unsere analoge Spiegelreflex-Kamera aus der Schublade zu kramen, mit empfindlichen Filmen auszustatten und mit Hilfe eines neuen Zoom-Objektivs, welches mir meine Mutter gesponsert hat, Innenaufnahmen ohne Blitz zu machen. Ob dies geklappt hat, wird sich wohl noch zeigen, die Filme werden gerade entwickelt.

Als Obedience dann vorbei war und sich dann auch noch der deutsche Schäferhund gegen 23 andere Hunde durchsetzen konnte (davon 22 Border-Collies) musste ich zusammen mit der Oma neben mir eine kleine Träne verdrücken: Zum Abschluss wurden noch mal alle Hunde in die Arena gelassen und es wurde ein Auszug von Queens "We are the champions" gespielt.
Hiernach mussten wir dann den Ehrenring verlassen, da nun die Bezahl-Touristen mit speziellen Eintrittskarten die Team-Obedience-Wettkämpfe betrachten durften.

Ich konnte nach dem langen Sitzen und den wiederkehrenden Ermüdungserscheinungen kaum noch laufen, schleppte mich aber trotzdem erneut durch die Hallen, da man nun auch wirklich was sehen konnte (die Menschenmengen waren deutlich zurück gegangen). Ich entdeckte einen Bereich, in dem die verschiedenen Hunderasse vorgestellt wurden, jede Rasse hatte einen eigenen Messestand mit vielen Fotos, Informationsmaterialien zu den einzelnen Rassen und auch tierische Rassevertreter die alle gestreichelt werden konnten. Mein erster Weg zielte natürlich Richtung Sheltie-Stand und ich fand ihn dann auch recht rasch, kam dort mit einer Frau ins Gespräch (ich glaube ihr Name war Mrs Cork) die die Longdon-Shelties züchtet und mit der ich mich sehr lange unterhalten konnte. Nach ca 1,5 Stunden und unzähligen Informationen über verschiedene erfolgreiche Hunde und Züchter schenkte sie mir zum Abschied das Sheltie-Jahrbuch von 1990. So kann ich mich mehr und mehr über die einzelnen Hunde und Linien informieren, vielen Dank hierfür!

Ich fuhr dann "nach Hause" und fiel förmlich ins Bett. Um 19h schlief ich bereits tief und fest und stand am nächsten Morgen sogar noch später als geplant auf. Um 8h bekam ich meinen Toast mit Pulverkaffee, der mich auch noch nicht so recht wecken wollte, wurde vom Nachbartisch noch von einem holländischen Pärchen über den gestrigen Tag ausgefragt und war dann gegen 9h wieder auf dem Messegelände. Dort traf ich dann endlich bekannte Gesichter! Heike Dette, Beate Alexander, Frau Koenen, die ihre kanadische Hündin Grandgables Tri a Posé ausgestellt hat (das ist die tricolour-Hündin die auf den beiden oberen Bildern zu sehen ist) dann natürlich noch Frau Baake, Herr Böttcher und die Britta mit ihrer Mutter waren alle da und wir haben den ganzen Tag Shelties angeguckt. Auch hab ich Pauline getroffen, die zwei Paulhays-Shelties in der Puppy-Class (Rüde und Hündin) ausgestellt hat, gewonnen hat sie nicht, aber ihre beiden Süßen fand ich einfach nur goldig. Zum Schluss noch zwei Siegershelties. Der eine Rüde hat die die Puppy-Class gewonnen (Japaro By Design), er wird im Mai 2005 ein Jahr alt. Wir fanden ihn wirklich am schönsten, obwohl er unseres Erachtens wirklich harte Konkurrenz hatte. Die nachfolgenden Klassen waren nicht ganz so hochkarätig wie die Puppy-Class, einige Shelties machten von Vorne nen wirklich tollen Eindruck, jedoch waren die Ruten gerne mal ein Stückchen zu kurz. Insgesamt gab es unheimlich viele zobel zu sehen, ein paar tricolour waren auch dabei und ab und zu auch mal ein blue-merle. Sogar einen Bi-Blue-Rüden haben wir gesehen, leider ist er nicht so flüssig gelaufen, sonst wäre er vielleicht auch platziert worden.
Der Rüde mit der roten Leine (Ch Evad Sommer Shadow JW ) hat die offene Klasse gewonnen und ist zum Schluss auch noch Rassenbester geworden. Ich glaub er wurde von seiner Besitzerin vorgeführt, sie stand ein paar Mal direkt vor uns und hat sich mit ihrer Jacke Luft zugefächert - da hat der kleine immer sehr interessiert geschaut, was ich ja auch einmal einfangen konnte ;) Für Andrea Baake war es recht schnell klar, dass dieser Rüde auch Rassenbester werden würde und obwohl sie eigentlich traurig war, dass ihr kein blue-merle so richtig gefallen wollte, fand sie (und auch wir natürlich auch) diesen Rüden unheimlich klasse und hätte ihn am liebste mit nach Hause genommen.
Das Finale (Bester der Schau) hab ich mir dann ganz gemütlich in meinem Zimmerchen im Fernsehen angeschaut. Hatte am Sonntag Abend mein gesamtes Geld ausgegeben (Kleinkrams, Dentasticks und ne Softkennel gekauft) und konnte dann am Montag ausgeschlafen den Heimweg antreten...

Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass ich jemals einen Hund auf der Crufts ausstellen würde. Es war für mich ja schon unheimlich stressig, die Boxen der Hunde sind klein, die Geräuschkulisse ist aber erträglich. Der Besuch hat sich aber in jedem Fall gelohnt und wer weiß, vielleicht bin ich ja nächstes Jahr auch wieder in Birmingham?

Allpeachys Shetland Sheepdogs
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